… der AIDS-Leugnung neuestes Kapitel …
Fachpublikation mit fragwürdiger Beitragsauswahl
Daß das so nicht geht, findet auch Ben Goldacre vom Guardian:
Die Peer Review ist fehlerhaft, aber das Beste, das uns zur Verfügung steht
In dieser Woche wurde in den Zeitungen [in Großbritannien] über das System der ∴Peer Review berichtet, nachdem eine Umfrage bei Wissenschaftlern darauf hindeutete, daß das Prozedere nicht frei vom Problemen sei. Das ist nun wahrlich keine Neuigkeit. Die Peer Review — wo Beitrage für akademische Publikationen von anderen Wissenschaftern desselben Tätigkeitsfeldes gegengelesen werden und diese dann eine Einschätzung zu der Qualität der Beiträge abgeben — hat seit jeher den Ruf, problematisch zu sein. Sie ist zeitaufwendig, könnte offen für Korruption sein und kann weder Fälschungen und Betrug, wissenschaftlichen Diebstahl noch Duplikateinreichungen verhindern, obwohl sie in sehr offensichtlichen Fällen dafür geeignet sein könnte. Das eigentliche Problem mit der Peer Review aber ist, etwas besseres zu finden.
Hier nun das Beispiel einer durchgefallenen Alternative. In diesem Monat, nach einer gemeinsam abgestimmten Kampagne von Akademikern, welche sich um aufklärerische Webseiten wie Aidstruth.org scharen, haben die Akademischen Verleger Elsevier zwei Beitrage eines Journals names Medical Hypotheses [Medizinische Hypothesen] zurückgezogen. Dieses Journal ist eine Rarität: Dort gibt es keine Peer Review; stattdessen werden eingereichte Beiträge zur Publikation von einem der Redakteure freigegeben.
Artikel aus dem Journal Medical Hypotheses wurden in meiner Kolumne [bad science - Schlechte Wissenschaft] recht häufig behandelt. Dort wurde ein fast surrealistisch krasser Beitrag veröffentlicht, in welchem zwei Italienische Doktoren in ein Argument verstrickt waren, ob nicht der Terminus “mongoloid” wirklich der passende für Menschen mit Down Syndrom ist, denn wenn man dieses Syndrom in seiner Gesamtheit würdigt, gibt es doch viele Übereinstimmungen mit der Bevölkerung des Orient (unter anderem: Sitzposition mit gekreuzten Beinen; Einnahme kleiner Portionen von Lebensmitteln mit MSG [Mononatriumglutamat]; und einer Vorliebe für Handarbeiten). Vielleicht erinnert sich der eine oder andere auch an die Diskussion über Vorteile und Nebenwirkungen der Masturbation als Behandlung von Nasenverstopfungen.
Die Beiträge, die diesen Monat zurückgezogen wurden[1][2], sind ein Schritt in ein neues Territorium Torheit. Beide kamen aus dem Lager, welches im Eigenverständnis den AIDS-Dissidenten zuzuordnen ist, und eine[2] benannte als Co-Autoren gar die prominentesten Vertreter, ∴Peter Duesberg und David Rasnick.
Es wäre stark untertrieben, wenn man behauptete, daß ein Fachpeer die Fehler des Beitrages — der bereits von dem Journal of Aids abgelehnt wurde — möglicherweise erkannt hätte. Mein Lieblingsteil ist die gesamte Seite, die der Darstellung gewidmet wurde, daß in Südafrika ja gar nicht so viele Menschen an AIDS versterben könnten, da die Bevölkerung doch kontinuierlich in den letzten Jahren zugenommen hätte.
Man könnte meinen, daß jeder in der Lage wäre, solche armselige Argumentationstrategien zu entlarven, doch werden dadurch Meilensteine der Literatur der AIDS-Forschung misrepräsentiert und Tatsachen entstellt. Rasnick und Duesberg besprechen antiretrovirale Medikamente, die trotz ihrer Nebenwirkungen der Diagnose AIDS die Schärfe eines Todesurteils genommen haben, und attackieren die Vorstellung, daß die Vorteile die Nachteile der Toxität aufheben: “entgegen dieser Behauptungen,” sagen sie, “hunderte von Amerikanischen und Britischen Forschern haben 2006 gemeinsam eine kollaborative Analyse in The Lancet veröffentlicht, mit dem Ergebnis, daß die Behandlung von AIDS-Patienten mit anti-viralen Medikamenten ‘nicht zu einem Rückgang der Sterberaten führte’.”
Das ist eine einfache, geschmacklose, unmißverständliche Fehldarstellung des Lancet Beitrages, auf den sie sich beziehen.
Was bedeutet das also für die Peer Review? Der Redakteur der Medical Hypotheses, Bruce Charlton, hat wiederholt argumentiert — sehr nachvollziehbar — daß die Welt der Akademiker von der Vielzahl der Publikationen mit unterschiedlichsten Redaktionsmodellen profitieren würde, da die Peer Review provokante Ideen zensieren könnte und das Wissenschaftler die Freiheit haben müssen, in ihrer eigenen Fachliteratur hochtrabend daherzukommen.
Doch gibt es Blogs, in denen AIDS-Dissidenten oder auch einfach sonstewer, wild, nachhaltig und hochtrabend ihre Ideen verbreiten können, von Fachpublikationen erwarten wir aber ein wenig mehr.
Übersetzung: Frieda Freiberg
Quelle:
- “Peer review is flawed but the best we’ve got“, Ben Goldacre, The Guardian, 12.09.2009
- Medical Hypotheses fails the Aids test
Links:
- AIDStruth.org: Die Wahrheit über AIDS, englischsprachig
- Elsevier retracts Duesberg’s AIDS Denialist article, 09.09.2009
Quellennachweise:
- Aids denialism at the ministry of health. M. Ruggiero, M. Prayer Galletti, S. Pacini, T. Punzi, G. Morucci, M. Gulisano.
Medical Hypotheses. Corrected Proof, 08 July 2009. ZURÜCKGEZOGEN [↑] - HIV-AIDS hypothesis out of touch with South African AIDS – A new perspective. Peter H. Duesberg, Joshua M. Nicholson, David Rasnick, Christian Fiala, Henry H. Bauer. 21 July 2009 – ZURÜCKGEZOGEN [↑] [↑]


