… hochkommerzieller Esokitsch …
Protagonisten des Films
Avatar – eine zweite Meinung
Der mit dem Baum tanzt
Ich habe diese Woche mehrfach gelesen, Avatar revolutioniere das Kino. Nach zweieinhalbstündiger Tortur im Kinosessel kann ich das nur für einen Bereich bestätigen: die Tricktechnik. Der Rest von Avatar ist, man muss es mal so deutlich sagen, der teuerste Esoterik-Kitsch aller Zeiten.
Bis zu 300 Millionen Dollar hat James Cameron angeblich für diesen Film ausgegeben. Herausgekommen ist ein Hightech-Ethnomärchen, das aus so vielen Versatzstücken besteht, dass man zwischendurch kaum noch weiß, in welchem Film man sitzt.
Das Hauptmotiv ist unschwer als Der mit dem Wolf tanzt im Weltall zu erkennen: Zivilisationsmensch wird bei edlen Wilden zum respektvollen Umgang mit der Natur bekehrt. Dabei verliebt er sich in Neytiri (Zoe Saldaña als Quasi-Pocahontas), die ihn durch eine prähistorische Dschungelwelt führt, die irgendwo zwischen Jurassic Park, Tarzan und Gullivers Reisen angesiedelt ist.
Die 3D-Animationen haben Fotoqualität, und natürlich macht es Spaß, der Hauptfigur bei ihrer Entdeckungsreise zu folgen. Das Problem ist nur, dass Avatar nach dem Prinzip “Drehbuch folgt Kulissen” funktioniert. Man merkt dem Film an, dass sich die Macher zuerst alle möglichen Stauneffekte ausgedacht haben, um sie dann irgendwie miteinander zu verbinden – ob das die Handlung voran bringt oder nicht.
Wenn Sie jetzt sagen: Wir sind hier in einem Popcorn-Blockbuster und nicht bei Lars von Trier, dann gebe ich Ihnen völlig Recht. Ich würde mich auch sofort auf diesen Film einlassen, wenn Avatar nicht so unerträglich kitschig und klischeehaft wäre.
Da sind vor allem die Ureinwohner von Pandora, die Cameron ständig panflötenuntermalte Weisheiten sprechen lässt. Auf der anderen Seite haben wir die raffgierigen Menschen, die ähnlich sinnlos in den Dschungel ballern wie das französische Kanonenboot in Herz der Finsternis.
Das menschliche Personal zerfällt in die typischen Cameron-Klischees: Macho-Soldaten mit markigen Einzeilern (“Legt den Laden in Schutt und Asche – ich will zum Abendessen zurück sein!”), die einsame Wissenschaftlerin, die den militärischen Irrsinn aufhalten will (Sigourney Weaver als Jane Goodall im All), einen Versehrten, der über sich selbst hinauswächst und, natürlich, den bösen Firmen-Tycoon und Oberkapitalisten.
Hier kommt die große Ironie von Avatar ins Spiel: ein Film mit antikapitalistischer und antitechnologischer Message, der selbst das Ergebnis maximaler Kapitalisierung und Technisierung ist. Letztendlich gibt es kaum eine Szene in Avatar, die nicht auf Staunen und Knallwirkung bedacht wäre. Genau in diesem Kalkül – und in dem irren Kitsch – versinkt die möglicherweise gut gemeinte Botschaft dieses Filmes. Zurück bleibt wenig mehr als ein bombastisch verfilmtes Klischee. Schade.
Autor: Ingo Junkat
Filminformation:
Avatar, Regie: James Cameron, USA 2009, 160 Minuten
Quelle:
- Westropolis, Ingo Junkat: Avatar – eine zweite Meinung, 19.12.2009

8 Stimme(n) 

habe mir den film schon angesehen…ehrlich gesagt hat er meinen erwartungen gar nicht erfüllt.
Ich hatte überlegt, mir den wegen der Effekte anzusehen, aber meinst Du, daß sich das echt nicht lohnt?
Schlechte Kritik.
Bewerte lieber den Film selbst anstatt ihn die ganze Zeit mit anderen Filmen zu vergleichen.
Meiner Meinung nach ist es der beste Film den ich je gesehen habe.
Lieber Simpson,
bitte hinterlaß doch Deinen Kommentar direkt beim Autoren (siehe Quelle). Meinem Empfinden zufolge handelt es sich um eine sehr gute Kritik – sonst hätte ich sie sicher nicht übernommen.