… wie Prominente die Masse irreführen …
Wahlplakat von Pro Reli
Geworben wird mit dem irreführenden Slogan: “Am 26. April ist der Tag der Freiheit.” Daß mit einem erfolgreichen Volksentscheid, die Freiheit der Wahl der Kinder jedoch begrenzt wird, steht dort nirgends. Denn was Pro Reli verschweigt ist, daß die Einführung eines verpflichtenden Religions- oder Weltanschauungsunterricht ab der 1. Klasse zur Debatte steht! Denn Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Religionsunterricht kein Wahlpflichtfach ist. Religion ist hier absolut freiwillig.
Bis zu Oberstufe jedoch, ist es den Kindern bzw. deren Sorgeberechtigten freigestellt, ob die Kinder eines der fakultativen Fächer Lebenskunde oder Religion belegen.
Das soll anders werden. Eine nicht-christlich angehauchte Hauptstadt Deutschlands geht scheinbar gar nicht. Berlin avanciert in dieser heißen Phase zum Schlachfeld einer verstaubten Ideologie, die so ganz und gar nicht in die multikulturellen Gegebenheiten der Stadt paßt. Gerade deshalb ist es so absurd, daß Jauch säuselt, daß in der deutschen Hauptstadt, die Kinder endlich die Freiheit haben sollen, die den Kindern in den übrigen Landen zugestanden wird: Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen – verpflichtend.
Wie weit die Darstellung von Pro Reli zutrifft, daß es sich um „vier bundesweit profilierte prominente Berlinerinnen und Berliner“ handele, soll jeder für sich selbst entscheiden. Aber hier eine Hilfestellung: Keiner der Prominenten Werbeträger der Pro Reli Initiative ist Berliner Urgestein.
Günther Jauch wurde 1956 in Münster geboren. Geformt wurde der kleine Jauch in der katholischen Grundschule in Zehlendorf. Er war scheinbar auch gerne Ministrant. Das erklärt immerhin sein vehementes Einsetzen für die Religionsinitiative. Warum es ihm nicht ausreicht, die Errichtung eines römisch-katholischen Gymnasiums oder einer Grundschule für Jungen und Mädchen des Erzbistums Berlin in Potsdam zu unterstützen, bleibt schleierhaft. Eltern, denen an einer religiösgefärbten Schulbildung ihrer Sprößlinge gelegen ist, können doch den Nachwuchs in einer solchen Schule anmelden.
Arne Friedrich, Fußballspieler von Hertha BSC, wurde 1979 in Bad Oeynhausen geboren. Daß er sein Conterfeit für die reaktionären Machenschaften hergibt, ist bedauerlich.
Mariella Ahrens nun wiederum ist gar gebürtige Leningraderin. Dort erblickte sie im Jahre 1969 das Licht der Welt. Aber es scheint, daß mit der kirchlichen Trauung mit einem von und zu, das bissel revolutionäre Erbgut der Stadt Leningrad vollends aufgebraucht wurde.
Aber wir haben ja noch Tita von Hardenberg, die in Hamburg ein Jahr vor Mariella zur Welt kam. Immerhin erwarb sie 1987 in West-Berlin ihr Abitur. Zu einer Berlinerin macht das sie jedoch noch lange nicht.
Wie schon gesagt, keiner, der Prominenten ist gebürtiger Berliner.
Missionieren wollen die Zugereisten die gottlosen Berliner um jeden Preis. Selbst um den der Lüge und der Verleumdung. Alles wird dafür getan, die Gegenkampagne pro Ethik als eine Ossi-Kampagne zu diffamieren, indem Stasi-Vorwürfe gestreut werden. Man wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, daß auch im Ehtikunterricht der Ungläubigen Werte vermittelt werden könnten. Pro Reli sieht sich als alleiniger Vermittler von (christlichen) Werten für Berlin. Berliner haben wohl keine. Deswegen benötigen die Berliner ja auch den Zuspruch und die Unterstützung der Zugezogenen.
Somit entwickelt sich Pro Reli nicht nur zu einem Entscheid zur Unabhängigkeit des öffentlichen Bildungsauftrages von der kirchlichen Einflußnahme, sondern auch zu einem Entscheid von Ost gegen West. Bischof Mixa findet, daß nur mit christlichem Glauben wahre Menschlichkeit verbunden ist. Alle Nicht-Christen dürften mit dieser Interpretation ein Problem haben, seien es Atheisten, Agnostiker, Buddhisten, Muslime oder Hindus. Profitieren von einem positiven Ausgang des Volksentscheides kann aber auch ein weltanschaulicher Verein wie Scientology, denn für Weltanschauungsgemeinschaften gelten Absatz 1 bis 3 des Gesetzesentwurfs entsprechend.
Es kann für einen aufgeklärten Bürger des 21. Jahrhunderts nur eine Stimme geben am 26. April: NEIN zum Volksentscheid über die Einführung von verpflichtendem Religionsunterricht. Nein zu einem Entweder-Oder.
Wahlbeteiligung: http://www.wahlen-berlin.de/wahlen/volksentscheid-2009-ProReli/akt-pm.html
Auszählungsstand: http://www.wahlen-berlin.de/wahlen/volksentscheid-2009-ProReli/Ergebnisse/ve09-proz.asp
Links:
- Thema beim HPD: Pro Reli setzt auf den Promi-Faktor, 14.04.2009
- Thema bei Brightsblog: Katholische Feindbilder, 20.04.2009
- Thema beim HPD: Wider den doppelten Zwang, 20.04.2009
- Thema beim HPD: Ethische Säuberung am Straßenrand, 23.04.2009
- Thema beim HPD: Schlußphase der Verwirrung, 24.04.2009
- Thema bei der Jungen Welt: Berliner Kreuzzüge, 25.04.2009
- Thema bei Brightsblog: Mit Günter Jauch in den Gottesstaat, 26.04.2009



Die Initiative ist gescheitert.
Gott sei’s gedankt.