Die Diplom-Politologin, die über keinerlei medizinische oder naturwissenschaftliche Ausbildung verfügt, ist überzeugte Anhängerin so genannter komplementärmedizinischer Verfahren wie Akupunktur, Homöopathie und anthroposophischer Medizin. Sie macht sich u.a. für die Aktion ELIANT stark, welche zum Ziel hat, den Einfluß der anthroposophisch orientierter kommerzieller Unternehmen auf die Politik zu vergrößern.
Anscheinend sieht sie, wie auch ihre Parteikollegin Birgitt Bender, keinen Widerspruch darin, einerseits Lobbyarbeit durch Pharmaunternehmen als verwerflich zu betrachten, , andererseits aber in der Funktion als Politikerin die Lobbyarbeit der anthroposophischen Kreise und der Arzneimittel der anthroposophieschen Pharmaunternehmen zu unterstützen.
Sie greift außerdem die Argumentation von Impfgegnern bezüglich der in Impfungen enthaltenden Nebenstoffe und der Sicherheit der HPV-Impfung auf. Darüberhinaus gibt es von ihr parlamentarische Anfragen zu Ritalin, Gesundheitsrisiken von Tamiflu und Chemtrails.
Werdegang
Hiltrud Breyer arbeitete zunächst in einem Kindergarten und holte dann das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nach. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Politikwissenschaften an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und der Freien Universität Berlin, das sie als Diplom-Politologin beendete.
Hiltrud Breyer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Politisches
Sie gehörte 1979 zu den Mitbegründern der Partei Die Grünen auf dem Gründungsparteitag in Karlsruhe und war später Sprecherin des Landesvorstandes der Grünen im Saarland. Hiltrud Breyer ist Mitglied im Bundesfrauenrat von Bündnis 90/Die Grünen.
Seit 1989 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments und gehört dort der Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz an. Sie ist Mitglied im Ausschuß für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit, im Ausschuß für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und der Delegation für die Beziehungen zu Japan. Außerdem begründete sie die fraktionsübergreifende EP-Intergruppe Bioethik, deren Vorsitzende sie seitdem auch ist. Daneben ist sie Vizepräsidentin der EP-Intergruppe Gesundheit und Verbraucherschutz. Auch in diesem Bereich agiert sie nachhaltig zur Umsetzung alternativer Ideen, u.a. mit der Promotion von Stevia.
Breyer ist offizielle Mitunterstützerin der überwachungskritischen Datenschutzdemonstration Freiheit statt Angst. Sie befürwortet des weiteren die Anthroposophische Initiative ELIANT.
Ehrungen
Für ihre Verdienste in der Umwelt- und Verbrauchpolitik wurde Hiltrud Breyer das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Kritik
Im Rahmen eines Sendebeitrages von RTL-TV über die Handhabung der sogenannten Tagesgelder von 284 Euro pro Anwesenheit bei Sitzungstagen im Straßburger Europaparlament, kamen Hiltrud Breyer und andere Europaparlamentsabgeordnete in den Fokus der Kritik. RTL unterstellte im Beitrag, daß häufig abreisefertige Abgeordnete morgens an Freitagen nur im Parlament erschienen, um ihre Anwesenheit zu dokumentieren um danach gleich ins verlängerte Wochenende zu gehen.
Bevor das regulär akkreditierte RTL-Team durch Ordner aus dem Europaparlament gedrängt wurde, gelang es dem Team eine Zeit lang, entsprechende Bildaufnahmen zu machen, die den Vorwurf erhärteten. Frau Breyer empfand die Aufnahmen als Unverschämtheit und war erbost über den Sendebeitrag. Sie bezeichnetee die Ausstrahlung von Bildern frühmorgentlich unterschreibender Abgeordnete als eine Überfallaktion in “rücksichtsloser Paparrazi-Manier” und wehrte sich gegen den Vorwurf, unrechtmäßig Tagesgelder in Anspruch zu nehmen. Obwohl Frau Breyer laut eigener Aussage gerade “auf dem Weg zu einer Besprechung” war, erklärt dies nicht, weswegen sie ihren Koffer im Aufzug stehen ließ und ohne ihn zur Eintragungsliste schreiten wollte. Auf einen länger währenden Aufenthalt im Gebäude deutet dies jedenfalls nicht hin. Sie leitete juristische Schritte gegen dieses – ihrer Meinung nach – “rechtswidrig erstellte Material” ein.
Zitate
Über Nahrungsergänzungsmittel:
[ich] nutze … selbst bestimmte Nahrungsergänzungen, ähnlich den von Ihnen angesprochenen Vitaminpräparaten. Andererseits höre ich in der Zwischenzeit aber lauter werdende Kritik, zum Beispiel von meiner Homöopathin, besonders was eine mögliche Gewöhnung und Anpassung des Körpers an eine erhöhte Vitamin- und Mineralienzufuhr angeht.
Ich sehe mit Sorge, dass immer mehr Lebensmitteln, nicht nur Babynahrung, Vitamine und andere Stoffe zugesetzt werden, deren Nutzen umstritten ist und im schlimmsten Fall zu Überdosierung führt.
Über ELIANT
Meinen Informationen nach sind für die Aktion ELIANT anthroposophische Arzneimittelhersteller, Heilpädagogen, Waldorfpädagogen, Patientenorganisationen, Verbraucher biologisch-dynamischer Produkte und Ärzte sowie Demeter International zusammengeschlossen, die ihre Lobby in Brüssel besser koordinieren wollen. Dies finde ich an sich unterstützenswert.
Über Lobbyarbeit
Ich sehe in meiner Arbeit immer wieder, welchen schweren Standpunkt alternative und komplementäre Medizin gegenüber der geballten Pharmalobby in Brüssel hat.
Über Präimplantationsdiagnostik
Wir wollen ganz klare Verbote! … Es kann doch nicht sein, dass naive Hoffnungen und falsche Heilsversprechungen für meilenweit entfernte embryonale Therapien dazu dienen, dass das Parlament auf die ethische Rutschbahn gesetzt wird, sondern wir müssen hier ein ganz klares Zeichen für europäische Werte setzen und dafür sorgen, dass …
Links:
Siehe auch:
- Artikel: Positionierte Parteien, vom 17.06.2009
- Artikel: Parteiliches Unbehagen, vom 13.05.2009



